Paradontitis-Behandlung
Alles rund um's Zahnfleisch
Wörtlich übersetzt heißt Parodontitis "Entzündung des Zahnhalteapperates" (Paro = um herum, dont = Zahn, itis =Entzündung).
Unter dem sogenannten Parodont werden alle den Zahn im Knochen haltenden Bestandteile zusammengefasst: Zahnfleisch, Knochen, Wurzelhaut und Wurzelzement.
Viele Patienten wissen nicht, dass ihre Zähne im Knochen elastisch verankert sind und nicht wie beim Implantat fest mit dem Knochen verwachsen sind. Dieser elastische Halteapperat des Zahnes wird bei der Parodontitis chronisch, schleichend in Schüben durch entzündliche Vorgänge zerstört.
Der Patient merkt von dieser Zerstörung meist nichts oder nur wenig. Wenn Beschwerden auftreten, ist die Erkrankung meist sehr weit fortgeschritten.
Klassische Zeichen einer Parodontitis sind:
- Bluten des Zahnfleisches auf Berührung
- Mundgeruch
- Länger werdende Zähne
- Mehr Lücken zwischen den Zähnen (Zahnwanderungen)
- Zahnlockerungen
Befund und Diagnose
Dem Zahnarzt stehen zur Untersuchung die sogenannte Parodontalsonde und Röntgenbilder zur Verfügung.
Die sogenannte PA-Sonde ist an der Spitze abgerundet und weist eine mm-Codierung auf. Die Röntgenbilder zeigen den genauen Knochenverlauf des Zahnbettes. Mittels dieser Sonde können die Taschentiefen und Blutungsneigungen des Zahnfleisches an jedem Zahn gemessen werden.
Seit dem Jahre 2006 wird alle 2 Jahre von der Krankenkasse eine Screeninguntersuchung (PSI-Befund) neben der zahnärztlichen Untersuchung von den Krankenkassen bezahlt.
Mit der Erhebung des PSI-Index soll eine beginnende Parodontitiserkrankung möglichst früh erkannt und diagnostiziert werden.
Je früher die Parodontitis erkannt wird, desto leichter ist die Behandlung.
Frühstadium
Das erste Erkrankungsstadium ist die Gingivitis oder Zahnfleischentzündung. Hierbei blutet das Zahnfleisch auf Berührung und ist rötlich geschwollen. Die Taschentiefen sind bis 3mm erhöht. Hier reicht eine einmalige Professionelle Zahnreinigung mit Mundhygieneinstruktion (siehe PZR - Prophylaxe.
In einem Kontrolltermin wird das Zahnfleisch auf Blutungsneigungen untersucht.
Eine Gingivitis ist meist nach drei bis sieben Tagen ausgeheilt.
Moderate bis mittelschwere Parodontitis
Die Diagnose Parodontitis fällt meist bei einer Taschentiefe ab 3,5mm. Hier wird dem Patienten zu einer Parodontitis-Vorbehandlung geraten. Sie ist umfangreicher als die Professionelle Zahnreinigung und schließt eine individuelle Krankheits- sowie Mundhygieneaufklärung mit ein, die unter Umständen mehrfach erfolgt. Erst wenn der Patient einen Übungserfolg zeigt, sprich mitarbeitet kann im Anschluss die eigentliche Parodontalbehandlung erfolgen.
Hierbei reinigt und glättet der Zahnarzt oder die Dental-Hygenist, meist unter Lokalanästhesie, alle Zahnfleischtaschen und Wurzeloberflächen der erkrankten Parodonten. Im Anschluss erfolgt die Politur und Aplizierung eines Chlorhexidingels (antibakteriell wirkendes Medikament) in die behandelten Zahnfleischtaschen.
Bei Anfangstaschentiefen bis ca. 4.5mm kann oft als Therapieergebnis eine Reduktion der Taschen auf 2mm erreicht werden, das dem normalen gesunden Befund eines nichterkrankten Patienten entspricht.
Weit fortgeschrittene Parodontitis oder aggressive Parodontitis
Die weit fortgeschrittene Parodontitis geht mit Taschentiefen über 4 mm, Knochenverlusten, Zahnwanderungen, freiliegenden Wurzelflächen und Zahnlockerungen einher.
Hier ist der Patient dauerhaft erkrankt. Auch nach erfolgreicher zahnärztlicher Therapie muss der Patient etwa alle 3 Monate in die Parodontisprophylaxe aufgenommen werden. (PZR, Bakterientest, PA-Status und Ähnliches). So kontrolliert können auch fortgeschrittene Stadien der Parodontitis beherrscht werden, d.h. es kommt zu keinem erneutem Knochenverlust und der Status Quo kann gehalten werden).
Je nach Erkrankungsgrad und Erkrankungsalter kann es sinnvoll sein, mit einem spezialisierten Kollegen/Kollegin zusammenzuarbeiten.
In der modernen Parodontologie sind mittlerweile auch viele angeblich hoffnungslose Fälle zu lösen.